2. Strategie & Geschäftsmodell C1, §47
In diesem Kapitel stellen wir die Dolder Hotel AG als Unternehmen vor: unser Geschäftsmodell, unsere Betriebe und Liegenschaften, unsere Wertschöpfungskette – und die Rolle, die Nachhaltigkeit in unserer strategischen Ausrichtung spielt. Wir verstehen Nachhaltigkeit nicht als Gegensatz zu Luxus, sondern als Voraussetzung für langfristigen Erfolg – von der Beschaffung über den Betrieb bis zur Beziehung zu unseren Gästen, Mitarbeitenden und Partnern.
Die Dolder Hotel AG ist ein international ausgerichtetes Hospitality-Unternehmen mit Sitz in Zürich. Mit dem Dolder Grand betreibt sie eines der führenden Luxusresorts der Schweiz und verbindet auf einzigartige Weise Stadtnähe, Natur, Kultur und exzellente Gastfreundschaft. Wir stehen für höchste Servicequalität, architektonische Identität und ein ganzheitliches Gästeerlebnis auf Fünf-Sterne-Superior-Niveau.
Die Dolder Hotel AG versteht sich als eigenständige Destination. Die Lage zwischen belebender Natur und pulsierender Stadt zeichnet das Dolder seit über 125 Jahren aus. Unsere Betriebe und deren Angebote ergänzen sich optimal, womit wir die Anziehungskraft der Destination fördern und den grösstmöglichen Nutzen für unsere Gäste schaffen. Synergien zwischen den Betrieben nutzen wir bestmöglich.
Das operative Herzstück bildet das Dolder Grand mit 175 Gästezimmern und Suiten, mehrfach ausgezeichneten Gastronomiebetrieben – darunter das mit zwei Michelin-Sternen dekorierte The Restaurant –, umfassenden Event- und Konferenzmöglichkeiten sowie einem 4'000 m² grossen Spa-Bereich. Saisonale Pop-up-Formate, kulturelle Kooperationen und das Gourmetfestival THE EPICURE ergänzen das Kernangebot und stärken die Positionierung als ganzjährige Erlebnis- und Genussdestination.
Neben dem Hotelbetrieb bewirtschaftet die Dolder Hotel AG ein Portfolio an Wohn- und Gewerbeliegenschaften. Das Dolder Waldhaus befindet sich derzeit in einer umfassenden Sanierungsphase (siehe unter Dolder Waldhaus und Liegenschaften).
Die Wertschöpfung basiert auf dem Zusammenspiel der Geschäftsbereiche Beherbergung, Gastronomie, Events und Spa und wird getragen von zentralen Schlüsselressourcen: der historischen Liegenschaft mit ihrem einzigartigen Standort oberhalb Zürichs, über 600 Mitarbeitenden aus 87 Nationen, einer starken Marke sowie langjährigen Partnerschaften mit ausgewählten Lieferanten und Dienstleistern. Zentrale Supportfunktionen - Finanzen, HR, Marketing, Einkauf, Technik sowie Sicherheit und Qualitätsmanagement und Nachhaltigkeit – sind vollständig inhouse organisiert.
Die Gäste des Dolder Grand sind international und vielfältig: Rund drei Viertel der Übernachtungen entfallen auf Privatreisende (Frequent Individual Traveller), ergänzt durch Geschäftsreisende sowie Gruppen- und Eventgäste (MICE). Die wichtigsten Herkunftsmärkte sind die USA, die Schweiz und die Golfstaaten, gefolgt von Deutschland, dem asiatisch-pazifischen Raum und Grossbritannien. Darüber hinaus nutzen lokale und nationale Gäste gezielt die Gastronomie-, Event- und Spa-Angebote des Hauses – der Bereich Day Spa verzeichnet eine kontinuierlich wachsende Nachfrage.
Zum Unternehmen gehören neben dem Dolder Grand weitere Liegenschaften am Standort Zürich. Das Dolder Waldhaus – seit über 100 Jahren Teil der Zürcher Stadtgeschichte – wird derzeit umfassend saniert. Anstelle eines Neubaus hat sich die Dolder Hotel AG bewusst für den Erhalt und die Transformation der bestehenden Bausubstanz entschieden – mit dem Ziel, die Graue Energie gegenüber einem Neubau signifikant zu reduzieren. Die energetische Sanierung entspricht dem Minergie-Standard und setzt auf Erdsonden, Photovoltaik sowie intensiv begrünte Dach- und Terrassenflächen. Das künftige Angebot umfasst rund 90 Mietwohnungen, ein öffentliches Restaurant sowie eine Begegnungszone mit Co-Working-Bereich.
Unsere Geschäftstätigkeit ist eingebettet in eine Wertschöpfungskette, die weit über den eigenen Betrieb hinausreicht. Das Prozesshaus der Dolder Hotel AG veranschaulicht diesen Zusammenhang: Von der Beschaffung von Materialien, Energie und Wasser über den Kernbetrieb bis hin zu Abfall, Abwasser und Emissionen – Nachhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf Prozesse, die unmittelbar im Hotel stattfinden, sondern auch auf vor- und nachgelagerte Aktivitäten.
Vorgelagert beziehen wir Lebensmittel und Getränke, Textilien und Wäschereidienstleistungen, Reinigungs- und Pflegeprodukte, Kosmetik- und Gastpflegeprodukte für Zimmer und Spa sowie Energie und technische Versorgungsleistungen von einer Vielzahl nationaler und internationaler Partner. Die Steuerung der vorgelagerten Wertschöpfungskette erfolgt über eine interne Beschaffungsrichtlinie, die Qualität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit als gleichrangige Ziele definiert. Sie verankert die Bevorzugung lokaler Produkte und kurzer Lieferwege, die Einhaltung von Fair-Trade-Grundsätzen und Menschenrechtsstandards sowie die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft – insbesondere Wiederaufbereitbarkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendbarkeit und Rezyklierbarkeit. Ergänzt wird die Richtlinie durch einen Lieferantenkodex, strukturierte Auswahlkriterien für Produkte und Lieferanten sowie jährliche Lieferantenbewertungen für strategisch wichtige Partner. Hinzu kommen Bau- und Renovationsleistungen sowie spezialisierte externe Dienstleister. Einen wesentlichen Anteil an den vorgelagerten Emissionen machen die Beschaffung von Lebensmitteln und Getränken sowie die externe Wäscherei aus.
Nachgelagert umfasst unsere Wertschöpfungskette insbesondere die Abfallentsorgung und das Recycling, die Abwasserbehandlung, Treibhausgasemissionen sowie die An- und Abreise unserer Gäste und den Pendelverkehr unserer Mitarbeitenden.
Der Auslöser: Nachhaltigkeit als Investition, nicht als Kostenstelle
Als die Dolder Hotel AG zwischen 2004 und 2008 den umfassenden Umbau des Dolder Grand unter der Leitung von Foster + Partners realisierte, fiel eine Entscheidung, die den Kurs für die kommenden zwei Jahrzehnte prägen sollte: der Einbau von 70 Erdsonden in 152 Metern Tiefe. Die Geothermieanlage reduzierte den Bedarf an fossiler Energie erheblich – trotz Verdoppelung der Nutzfläche. Parallel begann 2005 die Partnerschaft mit der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW), die bis heute jährliche Einsparungen von über 1'500 MWh ermöglicht. Die Überzeugung dahinter: Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg bedingen einander.
Der Wandel: Von Einzelmassnahmen zum Managementsystem
In den Jahren nach der Wiedereröffnung 2008 wuchs das Engagement zunächst von innen heraus: 2018 gründeten Mitarbeitende das D-Impact-Team – freiwillige Botschafter:innen, die nachhaltige Praktiken in den Alltag aller Bereiche tragen. Der eigentliche Wendepunkt folgte 2019, als die Geschäftsleitung entschied, die Nachhaltigkeitsleistung unabhängig zertifizieren zu lassen. In der Folge wurde ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem aufgebaut, ausgerichtet am EarthCheck-Unternehmensstandard. Gleichzeitig entstand das D-Force-Team aus Kader- und Fachspezialist:innen, das seitdem Umsetzung, Datenmanagement und interne Kommunikation verantwortet. Nachhaltigkeit wurde damit von einer Sammlung guter Absichten zu einem gesteuerten, messbaren Prozess.
Die Ergebnisse folgten: EarthCheck Silver (2020), die Partnerschaft mit myclimate und «Cause We Care», Swisstainable Level III – Leading und die Mitgliedschaft bei den Responsible Hotels of Switzerland (2021) sowie der myclimate Tourism Award (2022) und schliesslich die Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage mit 488 Paneelen (2024).
Wo wir heute stehen: Systemreife und Transparenz
Heute verfügen wir über ein gereiftes Nachhaltigkeitsmanagementsystem, das jährlich durch unabhängige Audits überprüft wird. Ende 2024 erreichten wir erstmals die EarthCheck Gold-Zertifizierung, die wir Ende 2025 bestätigen konnten. 2026 wurden wir als Top Employer Schweiz ausgezeichnet und erhielten die Anerkennungen «Sustainability Leader» (The Leading Hotels of the World) sowie «Verified Responsible Hospitality» (Forbes Travel Guide).
Der vorliegende Bericht ist der nächste Schritt auf diesem Weg: Er dokumentiert erstmals umfassend und nach dem VSME-Standard, wie wir Nachhaltigkeit steuern, messen und weiterentwickeln – transparent und überprüfbar.